Parallelwelt

„Dick?? Wer ist hier dick??
Nein, mein Herz, ich war mitnichten schon immer so, wie du mich jetzt siehst.

Ich gebe zu, ich lasse mich gehen, beizeiten. Oder sollte ich sagen: Zuweilen?“

Seine sonore Stimme zieht durch das für eine Handwerksfamilie erstaunlich geräumige Häuschen Regensburgs.

Er lacht lange und laut, irgendwann wird das Lachen zu einem Glucksen, seine in diesem Moment wieder um Jahre jünger in die Welt blickenden Augen haben sich mit Tränen gefüllt, die er nun mit seiner kräftigen Hand wegwischt.

Es sind die Hände eines Schmiedes, einem aufmerksamen Beobachter würde dennoch deren Zartheit auffallen, ein Beweis dafür, dass die Finger immer noch in der Lage waren zärtlich zu berühren.

„Vater, hör doch bitte auf mit dem Blödsinn und sei einmal normal. Du weißt, dass ich selbst sehr viel zu tun habe und ich möchte gerne die Zeit mit dir nützen, ehe ich mich wieder meiner Arbeit widmen muss.“ Reichlich bemüht die höflichen Umgangsformen zu wahren, sieht  Isabella ihren Vater mit seitlich verdrehter Unterlippe an.

Der Schmied legt seinen Kopf schräg. Auch das eine Geste, die sie seit frühester Kindheit kennt, zusammen mit seinem Hundeblick, den er einzusetzen verstand wie kein zweiter, war es ihm immer wieder gelungen, die Menschen um ihn herum zu überzeugen von Dingen, die ihnen selbst niemals in den Sinn gekommen wären.

Plötzlich wird er ernst und sieht seine Tochter genau an.

„Meine Güte! Ich weiß, dass ich das nicht das erste mal sage, aber du bist unglaublich schön!“

„PAPA!!“

„Was denn? Ich darf das sagen schließlich bin ich dein Vater. Du erinnerst mich so sehr an deine Mutter, als wir uns kennenlernten…“

„Ich dachte sie sei viel ältr gewesen als ich jetzt, als ihr euch kennen lernten?“
Der Schmied nickt und erhebt sich endlich von seiner Bank, jener Sitzgelegenheit, die er mit Fellen der eigenen Heidschnucken etwas weicher gestaltet hat, um seine Tochter ordentlich zu begrüßen.

„Was ist denn das aber auch für eine Art, hier unangemeldet herein zu schneien und mich dann als dick zu bezeichnen, also weißt du…“

Die junge Frau wirft ihr Reisebündel in die Ecke und grinst ihn an, ehe sie ihn liebevoll in den Arm nimmt.

„Alter Narr. Ich komme jede Woche zu dir. Zwar ist es von Ingolstadt nicht weit bis hierher, aber es dauert nun doch immer seine Zeit. Ehe die Frage jetzt kommt: Nein, ich reise nicht allein, sondern wie immer mit einer Gruppe Kaufleute. Die halten mich inzwischen ja selbst für eine Ihresgleichen, so regelmäßig nehmen sie mich mit.“

Liebevoll nimmt sie den alten Mann in die Arme. Noch immer fühlt er sich an wie eine zu allem bereite gespannte Feder. Natürlich sieht man ihm sein Alter auch an, wenn auch kein Vergleich zu all den anderen Gleichaltrigen, die nur noch am Schimpfen über die Jugend waren, die modernen Zeiten und vor allem die Verkommenheit der Gesellschaft.

So viel fröhlicher ging es bei ihren Eltern zu.

„Mama ist wahrscheinlich wieder unterwegs, oder?“

Teoderich Muentzer grinst seine Tochter an und bemüht sich sichtlich nicht zu viel seiner inneren Gefühle Preis zu geben. Es würde ihr das Leben nur noch schwerer machen, würde sie sehen, wie sehr er diese wöchentlichen Besuche erwartete, sich danach sehnte. Sie sollte nicht aus Dankbarketi kommen, sie sollte Interesse an ihnen haben, an ihnen als Menschen, nicht nur als Eltern.

Wieder grinst er sie an, als er sich endlich von ihr löst und wieder auf dem Heidschnuckenfell Platz nimmt.

„Setz dich!“

Er schenkt ihr einen großen becher ein. „Du musst doch durstig sein, nach der Reise.“

„Das ist doch nicht etwa…“

„Natürlich nicht, den trinke ich selbst, ich weiß doch, dass du meinen Met zwar zu schätzen weißt, aber doch erst wenn der Mond die Sterne küsst.“

Isabella lacht. „Ja, da hast du wohl recht. Sie nmimmt einen großen Shluck von dem kühlen Wasser und fühlt sich mit einem mal wieder Zuhause. Zurück versetzt in jene Zeit, als sie in diesen Räumlichkeiten aufwuchs, mit den Nachbarskindern spielte und sich recht sorgenfrei entfalten konnte.

Zumindest bis sie sechs Jahre alt geworden war.

„Gunde ist noch oben. Die liegt im Bett.“

Das war einer jener Sätze, die sie vollkommen aus der Fassung brachten. Wie ihm das immer wieder gelang, sie jedes Mal wenn sie ihre Eltern besuchte, mit irgendetwas aus der Fassung zu bringen.

„Wie bitte? Ist sie denn krank? Sie ist doch normalerweise vor dir wach.“

„Na, das stimmt so aber nicht! Ich bin wach …“
erneut verzieht Isabella unwillig ihre fein geschwungenen Lippen, die keinerlei Ähnlichkeiten mit den fleischigen sinnlichen Lippen ihres Vaters hatten nach unten. Ihre Augen blitzen. Seine Augen.

„Jaja, du denkst nach, ich weiß… also ist sie nicht krank? Oder doch? Nun sag schon!“

Daran hat der Schmied schon immer Spaß gehabt, die Menschen um ihn auf die Folter zu spannen. Aber sie kennt einen Vater und so schnell wie junge Menschen sind, kneift sie ihn auch schon in den, in der Tat nicht unbeträchtlichen Bauch.

Teoderich lacht. „Lass das, ich bin noch immer kitzelig, auch wenn mich mein Speckrand vor dergleichen unanständigen Angriffen schützt. Nein, natürlich ist sie nicht krank, sie ist einfach … sagen wir: geschafft!“

Seine Tochter zieht die Augenbraue hoch. Die linke.

„Du siehst aus wie …“

Die Augenbraue fällt wieder. Sie scheut ihrem Vater in die Augen, versinkt in jenem schalkhaften Braun, das sie immer so geliebt hat. Sein Mundwinkel zieht sich langsam nach oben.

Plötzlich schreckt sie zurück, greift nach dem Becher und trinkt hastig, den Blick abgewendet. „Also weißt du...“

„Was denn? Denkst du, wir sind schon uralt, oder was?“

Erneut legt er den Kopf schräg. Dieses Mal ist sein Grinsen beinahe unverschämt. „Wie süß. Du wirst ja rot. Himbeerro…“

„TEO!“

Der Schrei lässt ihn herumfahren, was ihm schmerzlich seinen Rücken in Erinnerung ruft.

„Da ist man einmal nicht so früh auf den Beinen, ausgerechnet heute und du brauchst wahrscheinlich keinen Wimpernschlag Zeit um unsere Tochter zu verunsichern.“

Schnell at sich der Schmied wieder gefasst. „Aber schau doch mal: Himbeerrot – genau wie du…“

Lachend kommt eine Dame die Treppe herunter, lässt kopfschüttelnd den Schmied links liegen und umarmt die junge Frau, die sich inzwischen wieder gefangen zu haben scheint.

„Isabella! Wie schön dich zu sehen! Entschuldige den alten Brummbär – und glaub ihm nichts, ich hatte nur viel zu tun gestern Abend noch, während sich der feine Herr Schmied noch seinen Studien widmen wollte.“

Die Erklärung klang plausibel. Doch ein Blick Isabella auf ihren Vater, der immer noch grinsend am Tisch saß verriet ihr, dass die Wahrheit in diesem Falle wohl eher auf seiner Seite war.

„Ist ja auch egal – ich bin überaus froh, bei euch zu sein.“

Gunde funkelt den Schmied an und meint: „Wie wäre es denn mit einer zünftigen Brotzeit? Man bewirtet einen Gast schließlich mit Wasser. Oder hast du alles vergessen in den Jahren, als wir viele Gäste hier hatten?“

Natürlich hatte er das nicht vergessen. So etwas kann man nicht vergessen, aber irgendwann war es einfach zu viel Arbeit geworden mit ihrer kleinen Gaststube.

Er erhebt sich und schlendert in die Küche. „Na, dann setz dich mal hin mein Weib. Ich wird euch ein wenig was in die Pfanne hauen.“

Auch das war meistens dasselbe Ritual Anfang einer neuen Woche: Wenn Isabella kam, gehörten die ersten Minuten meistens Mutter und Tochter. Seit Isabella selbst Nachwuchs erwartete umso mehr, denn Gunde schien die einzige Frau zu sein, der sie wirklich vertraute und auf deren Meinung sie allergrößten Wert zu legen schien.

Ehe sich der Schmied in die Küche verzieht fällt sein Blick auf jenes bekannte Büchlein, das seine Tochter eben aus ihrer Tasche zieht.

„Oh. Du schreibst noch immer?“

Sie nickt. „Hast du gedacht, ich würde damit aufhören? Ich schreibe alles auf. Euer Leben ist zu spannend, als dass es verloren gehen dürfte.“

„Jetzt hör aber auf! Ich finde es noch immer keine gute Idee. Was machen wir denn schon?“ Gunde ist die Vorstellung sichtlich unangenehm, was man ihrer eiligen Wischerei auf dem Tisch feststellen kann.

„Vielleicht ist es gerade das: Ihr führt ein normales, ein gutes Leben. Aber das ist es wert aufgeschrieben zu werden. Und ganz ehrlich: ich kenne niemanden in eurem Alter, der noch Interesse an seiner ‚Gefährtin‘ und seinem ‚Liebsten‘ findet, wie ihr das tut.“

Isabella schaut mit klaren Augen auf die liebsten Menschen in ihrem Leben, einmal abgesehen von ihrer eigenen eben entstehenden kleinen Familie. Ihre Mutter erwidert ihn und die Zärtlichkeit in ihren Blicken ist beinahe mit Händen greifbar. So lange bis Teoderich gekonnt dazwischen spricht: „Was kann ich denn dafür, wenn die hübsche Bäckerin hier mit ihrem lecker Leib vor mir rumtanzt und …“

Weiter kommt er nicht, denn da trifft ihn in vollem Schwung ein ekelhafter feuchter Lappen mitten im Gesicht, was ihr veranlasst schnell die Flucht in die Küche anzutreten. Wasser am frühen Morgen, das hatte er schon immer gehasst.

Eigentlich hätte er nun ärgerlich werden können, aufbrausend, wie es durchaus auch seine Art sein konnte, aber als er das Gelächter der beiden Frauen hereindringen hörte, war alles wie weggewischt.

Er war Zuhause.

Wenn das nicht jenes Nest war, das er sich immer, Zeit seines Lebens gewünscht hatte, wo fand man denn dann ein Zuhause??

Er war angekommen

Und würde bleiben. Zusammen mit seiner Gefährtin.

Zusammen mit seiner Geliebten.

Mit Schwung schmiss er ein dickes Stück Speck in die Pfanne, das sich sofort entsetzt aufbäumte und vor Scham braun wurde.

„Wehr dich ruhig“, murmelt er „ich fress dich doch!“

Tief atmet er den würzigen Geruch ein.

Es war nicht immer so gewesen in seinem Leben.

Was hätte er beizeiten für ein solches Stück Fleisch gegeben.

 

Der Anfang 1417

 

Schön hatten sich das meine Eltern ausgedacht.

Es hatte sich überall in den Landen herum gesprochen, dass in Konstanz das Konzil einberufen war. Das war sicherlich eine sehr schöne Gelegenheit gerade für fahrendes Volk, Spielleute und Gaukler, wie sie auch gerne genannt wurden, ihre Künste darzubieten und so leichter an die ein oder andere milde Gabe gelangen zu können.

Natürlich waren meine Eltern und die Gruppe mit denen sie reisten nicht die einzigen „Pilger“ nach Konstanz zu jener Zeit, wie sich herausstellen sollte. Unzählige Schausteller und Jongleure fanden sich vor dem Konzilgebäude ein, ein kolossaler Bau, ursprünglich als Warenhaus gedacht und zu jenem Jahreswechsel als Konklave zur Wahl des Papstes genutzt. Dementsprechend gereizt war die Stimmung innerhalb der Truppe meiner Eltern, denn ihre Schaukünste unterschieden sich nicht sehr von den Künsten der anderen Angereisten.

Weitaus schlimmer jedoch war die Situation in der sie allesamt vor Ort leben mussten. Viel zu viele Menschen drängten sich in der Nähe des Bodensees und lagerten wo immer es möglich war. Die wenigsten hatten bedacht, dass gerade die hohen Herrschaften nicht nur mit einem Gefolge anreisen würde, für deren Kurzweil man als Spielleute sorgen wollte, sondern, dass eben diese Gefolgschaft auch der eigentliche Grund dafür war, dass es in ganz Konstanz kein einziges erschwingliches Zimmer in den Wirtshäusern mehr gab. Die Spielleute selbst hatten gerade genug zum leben, an eine andere Übernachtung, als in der Nähe ihrer Karren, war in keinster Weise zu denken. Zumal kein Spielmann den anderen Gauklern über den Weg traute.

Erschwerend kam zu all dem noch hinzu, dass das Konzilgebäude recht weiträumig abgesperrt war, was zu einer weiteren Einschränkung der Bewegungsfreiheit führte.

Alles in allem entschloss sich aus all den Gründen die Gauklertruppe um die Muentzers im Herbst 1417 dazu, Konstanz so schnell wie möglich den Rücken zu kehren, denn die Stimmung in der Stadt war weniger freundlich den Spielleuten gegenüber, als sie sich das erhofft hatten. Natürlich waren sie keine Zigeuner, diese hatte man überhaupt nicht erst in die Stadt gelassen, dennoch spürte die nicht wenig Feindseligkeit von den anständigen Bürgern. Normalerweise waren die Erfahrungen, welche die Spielleute machten immer dieselben: Meistens wurden sie neugierig und erwartend von der Bevölkerung empfangen, man genoss die Abwechslung vom Alltäglichen, doch mit der Zeit schlug die Stimmung meist um. Das fahrende Volk war schon immer gerne die Zielscheibe für Verleumdungen, Aggressionen und nicht selten wurden sie in Schimpf und Schande aus den Städten vertrieben.

In den Jahren des Konzils war alles noch strenger, noch aufgepeitschter, was von der allgemeinen Situation und der Ungewissheit in religiösen Fragen herrühren mochte. Die Situation innerhalb der Kirche mit ihren zwei Oberhäuptern der letzten beinahe 40 Jahre war unhaltbar, eine Lösung musste gefunden werden. Im Grunde war dies den Spielleuten jedoch egal, sie nutzten die Gelegenheit ihren Schabernack auf die Obrigkeit zu treiben.

Ein Spiel mit dem Feuer, wie sie sehr schnell feststellen mussten, denn die Wachen, die selbst das Ende des Konzils herbeisehnten, fackelten nicht lange, dem einen oder anderen Gaukler fest zu setzen.

Die Juden hatten die Wut der Konstanzer längst zu spüren bekommen, die jüdische Gemeinde existierte nicht mehr, der versprengte Rest der Gemeinde war im Pulverturm am Seerhein festgesetzt, was ihm schnell den Namen Judenturm eintrug.

Doch ehe die Muentzers ihre Abreise in die Tat umsetzen konnte, holte sie er Lauf der Geschichte ein: Am 11. November wurde Oddo di Colonna zum Papst gewählt, er nannte sich Martin V. auf Grund des Martinstages.

Teoderichs Mutter, Neslin, gebar in eben dieser Nacht zum Martinstag ihren ersten und einzigen Sohn und wollte ihn nach alter Sitte nach jenem Martin nennen. Doch ihr angetrauter Mann hatte sich kurz zuvor ein wenig Mut angetrunken und mit einem der Wachen angelegt, was ihm Gott sei‘s gedankt nur einen ausgeschlagenen Zahn eintrug und keine Einkerkerung. Dennoch war Teoderich der Ältere alles andere als gut auf die Obrigkeit zu sprechen und verbot seiner Frau schlichtweg den Namen „Martin“ zu benutzen. Da das Kind aber schnell einen Namen brauchte, nannte man es eben wie den Vater – in Ermangelung eines besseren Einfalles. Die Zeit drängte sowieso, denn nach der Papstwahl veränderte sich die Stimmung in Konstanz noch mehr gegen die Spielleute, Eile war geboten.

So packte Neslin, noch sehr wackelig auf den Beinen ihr kleines Bündel mit dem jungen Teoderich und versuchte mit der Truppe Schritt zu halten, die so schnell es ihnen möglich war, versuchte Konstanz zu verlassen.

Ihr nächstes Ziel war Ravensburg.

Doch eben hatten sie Konstanz hinter sich gelassen, die Stadtmauern waren gerade außer Sicht, als ein Reitertrupp sie einholte, offensichtlich auf der Suche nach Dieben. Es hatte sich herumgesprochen, dass es zu größeren Diebstählen während des Konzils gekommen war.

Den Zigeunern konnten die Verbrechen nicht angelastet werden, die Juden waren bereits bestraft, blieben die Spielleute als willkommene Opfer.

Drei Reiter waren es. Erstaunlich wenig, wenn man die sonstigen Gepflogenheiten kannte. Dennoch versteckte Neslin ihren Sohn so gut es ging, denn wo es anderen Gelegenheiten von Vorteil sein konnte, hier war es eher ein verwundbarer Punkt, der die gesamte Truppe treffen konnte.

„Wohin so schnell, Lumpen?“

Der Hauptmann machte sich nicht einmal die Mühe vom Pferd zu steigen.

„Wohl die Taschen voll mit Talern, das ihr den ehrbaren Bürgern aus den Taschen gezogen habt?“

Als keine Antwort kam und nur ängstliche Blicke auf die Reiter fielen, entschlossen die drei sich doch dazu, abzusitzen.

Ängstlich presste Neslin den kleinen Teoderich an ihre Brust und drängte sich immer weiter in den Hintergrund, als die Reiter die kleine Truppe ins Visier genommen hatte. Natürlich wurde der Wagen durchsucht, alle Taschen wurden umgedreht, kein Winkel blieb verborgen. Doch man fand nichts, was ein Glück war, ansonsten hätte man sie wohl alle festgesetzt. Zugegebenermaßen hatten sie dieses Mal wirklich nichts gestohlen, bei manch anderer Gelegenheit hatte ihnen diese Art der Besitzerweiterung zumindest einen Lohn beschert. Dennoch waren sie schuldig in den Augen der städtischen Reiter und Teos Vater machte den eigentlichen Fehlern, indem er leicht schadenfroh vor sich hin grinste. Zum Leidwesen Neslins, denn einer der Reiter hatte diese Reaktion gesehen und nahm dies zum Anlass Teoderich den Älteren mit zurück nach Konstanz zu nehmen. Da nützte keine Heulen und Zähneklappern, kein Bitten und Betteln Neslins und der anderen – da war das letzte mal, dass sie Teoderich zu Gesicht bekommen sollten.

Als sie ihn gebunden und abgeführt hatten, gaben Neslins Beine nach, Genefe, ihre Freundin, die zweite Frau in der Truppe, fing sie auf und bettete sie liegend auf den Karren. Den kleinen Teoderich nahm sie auf die Arme. So zogen sie Richtung Ravensburg in der Hoffnung, dass Mutter und Kind dort wieder zu Kräften kommen würden.

Was das kleine Wesen anging, so war es kräftiger, als es den Anschein hatte, Neslin jedoch erkrankte kurz darauf und erlag einem hohen Fieber.

Sie waren ein Herz und eine Seele gewesen, Neslin und Teoderich. Als die Hoffnung starb, verlöschte der letzte Lebenswille auch in der jungen Frau, die noch immer geschwächt von der Geburt war.

So wuchs Teoderich Muentzer als Waise in einer Gauklertruppe auf, als Mutter lernte er Genefe kennen, die ihn an Kindes Statt erzog und zusammen mit ihren eigenen drei Töchtern Engelin, Sibille und Berblein versorgte.

Nun hatte sie endlich den Sohn, den sie sich die ganze Zeit gewünscht hatte.

Der kleine Teoderich erfuhr erst viel später, dass die drei Mädchen nicht seine wirklichen Schwestern waren, dennoch suchte er Zeit seines Lebens ihre Nähe, wo immer ihm das möglich war.

[... Fortsetzung folgt ...]